Carsten Hennig: »Sprich mit mir«

für Sopran und Akkordeon

Das Stück zeigt, dass Sprache nicht die alleinige Voraussetzung für Kommunikation ist. Ich habe dabei – über den musikalischen – quasi einen performativen Aspekt hineinkomponiert …

The piece shows that language is not the only prerequisite for communication. In doing so, I have composed a quasi performative aspect into it – via the musical one – …

… ohne dass er der Aufführung aufwendig hinzugefügt werden müsste. Das war und bleibt für mich die spannende Frage, ob sich meine Vorstellungen in der Aufführung realisieren.

Für mich stellte sich das Thema languages zunächst sehr allgemein dar, aber je mehr ich einen Zugang über die Aufführungssituation fand, desto begeisterter wurde ich hinsichtlich der Basalität und der Möglichkeiten, die die Thematik bietet.

Die Disposition bei meinem Stück ist sehr einfach: die Sopranistin richtet eine sehr direkte Kommunikationsaufforderung an die Akkordeonistin, die – und nun bleibt Raum für Interpretationen – darauf nicht oder (lediglich) musikalisch reagiert.
Dabei werden für mein Gefühl Grenzen hinsichtlich der Sprachfähigkeit von Musik spürbar und letztlich glaube ich, dass dadurch auch auf die generelle Schwierigkeit neuer Musik und Musik im Allgemeinen verwiesen wird, sich einzubringen in den dringend notwendigen gesellschaftlichen Diskurs über Themen jenseits der Musik.

Ungeachtet des soeben formulierten Anspruches, was Musik bzw. was Neue Musik zu leisten hat, kommt mein Stück recht leicht, gelegentlich sogar witzig daher – zumindest habe ich es so angelegt. Ich bin sehr gespannt, wie Madeline und Susanne damit umgehen.

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…without it having to be added to the performance in an elaborate way. That was and remains the exciting question for me, whether my ideas will be realized in the performance.

For me, the topic of languages initially presented itself in a very general way, but the more I found an approach via the performance situation, the more enthusiastic I became regarding the basality and the possibilities that the topic offers.

The disposition in my piece is very simple: the soprano addresses a very direct communication request to the accordionist, who – and now there is room for interpretation – does not respond or (merely) responds musically.
In this way, I feel that the limits of the linguistic capacity of music become noticeable, and ultimately I believe that this also refers to the general difficulty of new music and music in general to get involved in the urgently needed social discourse on topics beyond music.

Regardless of the just formulated claim what music or what new music has to achieve, my piece comes across quite easy, occasionally even funny – at least that’s how I designed it. I am very curious to see how Madeline and Susanne deal with it.

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Photo: ©carsten-hennig.eu